Hätte mir vor der Geburt meines ersten Kindes jemand gesagt, dass das Zahnen eine der emotional schwierigsten Phasen im ersten Jahr sein kann, hätte ich es wohl nicht geglaubt.
Über das Zahnen bei Babys wird selten ehrlich gesprochen. Und wenn doch, dann meist sachlich und distanziert.
Doch das echte Leben sieht anders aus.
Es sieht so aus, dass man im Dunkeln sitzt, das Baby im Arm.
Das Baby weint.
Man weiß nicht warum.
Man schaut auf die Uhr und denkt: Wie lange noch?
Und leise fragt man sich: Geht es meinem Baby gut? Und geht es mir gut?
Ich schreibe das als Mutter von drei Kindern. Nicht als Fachfrau, sondern als jemand, die nachts mit ihrem Baby geweint hat und sich fragte, ob sie genug tut.
Das Problem: Warum das Zahnen so schwerfällt
Zahnen wird oft als einfache Entwicklungsphase beschrieben. In Wirklichkeit ist es alles andere als einfach.
Meist beginnt das Zahnen irgendwann zwischen 4 und 7 Monaten, aber jedes Kind ist anders. Meine Kinder haben alle zu ganz unterschiedlichen Zeiten angefangen – und jedes Mal habe ich mir Sorgen gemacht.
Die ersten Anzeichen sind selten eindeutig. Bevor man am Zahnfleisch etwas sieht, bemerkt man die Veränderung beim Baby. Unruhe ohne erkennbaren Grund. Weinen, das man nicht erklären kann. Stündliches Aufwachen in der Nacht. Alles wandert in den Mund.
Und damit kommt noch etwas: Erschöpfung, Verwirrung, Angst.
Wenn ein Zahn durch das Zahnfleisch bricht, steht das Gewebe unter Druck und es entsteht eine Entzündung. Für ein Baby ist dieses Unwohlsein verwirrend. Für eine Mutter ist es seelisch schwer – denn man sieht sein Kind leiden und kann den Schmerz nicht einfach wegnehmen.
Oft ist das der Moment, in dem eine Mutter erkennt: Ich kann mein Kind nicht vor allem schützen – aber ich kann da sein.
Die Lösung: Was beim Zahnen wirklich hilft
Was mir geholfen hat, war nicht Perfektion oder alle Antworten zu kennen. Es war, den Blick auf Trost und Nähe zu richten.
Beißringe haben geholfen, besonders weiche aus Silikon, manchmal leicht im Kühlschrank gekühlt. Eine sanfte Zahnfleischmassage mit einem sauberen Finger brachte oft überraschende Erleichterung – manchmal genug, um mein Baby ganz zu beruhigen.
Doch das Wichtigste war Geborgenheit. Halten. Haut an Haut. Eine ruhige, langsame Stimme. Manchmal lässt sich der Schmerz nicht „wegzaubern“, aber das Dasein macht ihn erträglicher.
Als der erste Zahn da war, half sanfte Zahnpflege, dass mein Baby und ich uns sicherer fühlten – langsam, behutsam, ohne Druck.
Ich habe auch gelernt, was ich lieber lasse. Ich verzichtete auf scharfe Gels, mied gefrorene Gegenstände und hörte auf, „alles allein durchstehen“ zu wollen. Bei hohem Fieber oder wenn mein Baby ungewöhnlich schlapp war, brachte der Gang zur Kinderärztin Klarheit und Beruhigung.
Was jede Mutter hören sollte
Das Zahnen dauert nicht ewig. Die heftigste Phase geht meist nach ein paar Tagen, manchmal nach Wochen vorbei. Dann gibt es eine Pause – bis zum nächsten Zahn.
Man muss keine perfekte Mutter sein, um das Zahnen zu überstehen. Wenn du müde bist, mit den Nerven am Ende und trotzdem da bist, tust du genug.
Eines Tages, oft nach einer langen Nacht, entdeckst du ein winziges weißes Zähnchen. Und du merkst: Wir haben das gemeinsam geschafft.
Wenn du das gerade in einer schlaflosen Nacht liest – du bist nicht allein. 🤍
Giulia Moretti
Mutter von drei Kindern, schreibt aus eigener Erfahrung

